VALENTIN OMAN

Zur Eröffnung der Ausstellung
„Homo sapiens – Terra incognita“

Schloss Gabelhofen / Fohnsdorf – Gisela Hopfmüller

Sich mit Valentin Oman zu beschäftigen, das heißt, sich auf einen Künstler einzulassen, der in den vielen Jahren seiner Arbeit einen eindrucksvollen Spannungsbogen zum Thema Mensch geschaffen hat. Beständig ist er im Suchen nach dem Inneren des eigenen Ich, genauso wie im Suchen nach dem Phänomen Mensch überhaupt. Er hat sich dabei aber in Inhalt und Technik deutlicher und viel interessanter weiterentwickelt als es manch anderer seiner Künstler-Generation getan hat.

Das ist auch an den hier ausgestellten Werken erkennbar. Lassen Sie sich darauf ein! Sich mit den Figuren Valentin Omans zu beschäftigen, das heißt also, sich mit dem Menschen und mit den Menschen zu beschäftigen. Der äußere Schein und die innere Struktur fließen in einander, treten in Spannung zu einander, drücken Konflikt und Ringen aus. Niemals glatt, immer von Kanten, Furchen, Linien, plastischen Schichtungen geprägt sind seine Figuren,

 

  • das  unruhige Innere gleichsam nach außen kehrend,
  • mit sich auflösenden Konturen, oft zugleich auch transparent wirkend
  • oder kompakt, säulenartig

 

So suggerieren die Figuren Zerrissenheit und Kraft gleichermaßen, einmal dominiert die Zerrissenheit, dann wieder die Kraft. Ob ganz zurückgenommen in der Farbgebung wie in Ara pacis Bildern, ob in zarten, fast changierenden Tönen, wie sie die „Sic transit gloria hominis“-Bilder zeigen ob in intensiver, kräftiger Farbgebung … immer leiten die Bilder zur Spurensuche an. Zur Suche nach den gesehenen Spuren und auch den gedachten.

 

Das tun auch die großteils lateinischen Bildtitel. Die wählt Valentin Oman, weil sie – wie er sagt – mehr Spielraum zur Interpretation lassen. Zum Beispiel: Ara pacis – der Altar des Friedens. Bei Oman mit angeregt durch das eindrucksvolle Ara-pacis-Erinnerungsmal im friulanischen Ort Medea, das als Zeichen des Friedens den Gefallenen aller Kriege gewidmet ist. Übrigens: in dem unterirdischen Raum dieses Denkmals findet sich die Inschrift: Odium parit mortem, vitam progignit amor" (Der Hass verursacht Tod, die Liebe bringt Leben hervor).

 

Das slowenische Wort für Denkmäler, Monumente ist Spomeniki. Oman, dem slowenischen Kärntner, dem das freie Überschreiten von Grenzen so wichtig ist, sind diese Wurzeln bindend und Bewegung schaffend zugleich. „Das deutsche Wort Denkmal mag ich nicht, es ist besetzt. Spomeniki lässt die dinge offener, macht Erinnerung möglich“, sagt Oman.

 

Mit seinen „Homo mediterraneus - Bildern“ schickt er den Betrachter in die Vielfalt des Menschen der „Länder in der Mitte“. Wobei die Vielfalt sich wiederum auf Außenwelt u n d Innenwelt bezieht.

 

Ecce homo – Siehe, der Mensch! Ein Motiv, das seit dem 9.Jahrhundert in der Kunst verwendet wird für den Inbegriff des leidenden, gequälten Menschen.  Eine Assoziation liegt auf der Hand: der große Philosoph Friedrich Nietzsche gab seiner Autobiographie den Titel: „Ecce homo. Wie man wird, was man ist“.

 

Gedanklich eng mit dem Ecce homo verbunden: Sic transit gloria hominis – hergeleitet vom klassischen „Sic transit gloria mundi“ (so vergeht der Ruhm der Welt), also: So vergeht der Ruhm des Menschen. Wieder ein Beispiel dafür, wie ein lateinischer Titel leichter über die Lippen und durchs Hirn wandert, wenn es darum geht Interpretationen zu suchen. Spuren zu suchen.

 

In seinen aufwendigen Mischtechniken genauso wie in den Arbeiten auf Papier verwebt Oman Ratio und Emotio, also Verstand und Gefühl zu kunstvollen Geflechten.

 

  • Sei es hart strukturiertes Schwarz-Weiß, oft auch mit Schriftelementen,
  • sei es das intensive Rot wie in den Terra rossa-Bildern,
  • sei es der Eisenstaub, der mit Leim und Wasser zur rostig strukturierten Oberfläche wird …

 

immer spielt Oman damit, welches optische Element er gerade in den Vordergrund der Wahrnehmung treten läßt. So gibt er Anregungen zur Spurensuche. In ihrer Abstraktion ermöglichen seine gesichtslosen Figuren dem Betrachter die Selbstreflexion, die Spurensuche des eigenen Selbst. Auch das macht eine enorme Kraft der Bilder Valentin Omans aus. Lassen Sie sich darauf ein !

 

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