Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Sehr geehrte Frau Bundesminister!
Sg. Herr Botschafter! Liebe Freunde! Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Mir wurde heute eine hohe Auszeichnung der Republik Österreich verliehen. Dafür bedanke ich mich herzlich. Ich danke dem Repräsentanten der Regierung, dem Herrn Bundeskanzler. Ich danke jenen Personen, die mich für diese Auszeichnung empfohlen, weil für würdig befunden haben. Ich danke aber auch vorallem jenen Menschen, die mich auf meinem künstlerischen Weg und auf meinem Lebensweg begleitet haben und noch weiterhin begleiten, die mir wichtige Anregungen und Impulse gegeben haben, die mir in Freundschaft verbunden sind.

Mit siebzig Jahren blickt man nicht mehr so sehr nach vorne, diese Zeit ist, so weiß man, begrenzt. In diesem Alter wendet sich der Blick des öfteren zurück, auch dorthin woher man gekommen ist. Man sieht und begreift, was einen bestimmt und geformt hat. Man erkennt und kennt sein eigenes Ich. Zu meiner Identität gehört grundlegend und entscheidend, daß ich ein Kärntner-Slowene bin, daß ich mit zwei Sprachen - Deutsch und Slowenisch - aufgewachsen bin, somit auch in zwei Kulturen, die voneinander gar nicht so sehr verschieden sind, weil sie - jedenfalls für mich - das Kärntnerische ausmachen. Zugehörigkeit zu verschiedenen Sprachen, Religionen, Kulturen gehörte jahrhundertelang zur österreichischen Identität; zu einem Österreich in einem großen europäischen Raum.

Umso befremdender ist und war für mich immer jede Form der Engstirnigkeit. Unbegreiflich sind für mich Einstellungen und Haltungen von Personen und Institutionen, die im Kärtner-Slowenen eine Bedrohung sehen oder ihn sogar zum Feindbild hochstilisiert haben. Unbegreiflich dümmlich, aber auch von präpotenter Arroganz ist dies. Darüber hinaus aber auch eine Respektlosigkeit und eine Haltung der Intoleranz sowie - was zum Beispiel die Verweigerung der Aufstellung zweisprachiger Ortstafeln betrifft (und dies nach einem rechtsverbindlichen Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes) - auch eine Rechtsverweigerung. All dies in einer rechtsstaatlichen Demokratie und im 21. Jahrhundert in einem geeinten Europa. Der Begriff Anachronismus fällt mir dazu ein. Aber auch das Wort Defizit in Bezug auf demokratische Reife solcher Personen und Institutionen. Man könnte aber, wäre es nicht so ernst, ganz einfach darauf hinweisen, wie lächerlich und wie hoffnungslos von vorgestern solche Feindbilder und Standpunkte sind. Wir sprechen über den Beitritt der Türkei zur Europäischen Union und verweigern gleichzeitig den Kärntner Slowenen die ihnen zustehenden Ortstafeln als ein Zeichen für ihren Lebenskulturraum. Ich glaube, hier ist bildungspolitisch noch Entscheidendes zu tun. Und hier ist ohne weitere Verzögerung ein Defizit aufzuarbeiten; auch im Interesse der politischen Reife und der Demokratie. Das ist mein Wunsch und meine Bitte, die ich heute und hier an dieser Stelle bei meiner Ehrung ausspreche.

Denn zu meiner Identität sowohl als Künstler wie als Mensch und zu meiner Vorstellung von Kultur gehört die Überzeugung, daß nicht Engstirnigkeit und nationalistische oder ideologische Eingrenzung den Menschen und seine Kultur bilden, sondern im Gegenteil die Offenheit und das Offensein für das Andere den Menschen und seine Kultur befruchten und prägen. Und die Kunst ist dafür beispielhaft, denn sie kennt keine Grenzen, sondern bezieht sich auf alle und bezieht alle Menschen mit ein. In diesem Sinne sage ich zum Abschluß noch einmal - nun in meinen beiden Sprachen: Herzlichen Dank für diese Auszeichnung! Hvala lepa za odlikovanje!

 

Valentin Oman
Wien, 15.11.2005